Betreuungskräftemangel im Pflegebereich

In Deutschlands Pflegesystem klaffen erhebliche Lücken. Eine jüngst von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichte Studie legt nahe, dass schon im Jahr 2030 über eine halbe Million Pflegekräfte fehlen könnten. Dies geht auf einer Prognose hervor, die auf Daten des Statistischen Bundesamts beruht.

Demnach wachse die Zahl der Pflegebedürftigen innerhalb der nächsten Jahre um etwa die Hälfte von 2,34 Millionen auf ca. 3,5 Millionen an. Die Variabilität des Wachstums sei sehr hoch, in einigen Kommunen könne es deswegen schon bald zu extremen Notständen kommen.

Selbst zwischen den Bundesländern gebe es erhebliche Differenzen, was die Prognosen der Stiftung betrifft. Erstmals wurde im Rahmen der erhobenen Studie durch die Bertelsmann-Stiftung ein Prognose für alle Landkreise durchgeführt, um unmittelbar vor Ort in der lokalen Politik die Alarmsirenen ertönen zu lassen. Dies schürt die Hoffnung, dass schon bald erste Versuche für eine pflegegerechtere Situation in Deutschland gesorgt wird.

Um dem geradezu dramatischen Trend entgegenzuwirken, schlägt die Bundesagentur für Arbeit vor, die Altenpflege-Ausbildungszeit zu verkürzen. So könnten dann Arbeitslose mit Vorkenntnissen im Pflegebereich innerhalb von zwei statt derzeit drei Jahren einen Vollzeit-Beruf ergreifen, sodass 10.000 Fachkräfte innerhalb kürzester Zeit mobilisiert werden könnten. Zu rigide sei das Berufssystem in diesem Punkt.

Wichtig ist zu betonen, dass es sich um eine Prognose handelt. Prognosen unterliegen immer einer Irrtumswahrscheinlichkeit, im Großen und Ganzen ist im Rahmen des demographischen Wandels der voraussichtliche Betreuungskräftemangel evident. Immer weniger junge Pflegekräfte müssen immer mehr Pflegebedürftige bis an ihr Lebensende zu niedrigen Konditionen versorgen. Daher sind die Vorschläge, unter anderem der von der Bundesagentur für Arbeit im Zusammenhang mit der Studie, zumindest Denkansätze, über die die Politik in Zukunft verstärkt nachdenken muss.

Geschrieben von

Patrick Gehlert ist freier Redakteur und schreibt für Fachmagazine unter anderem Beiträge zu dem Thema Pflege.