Was braucht ein Mensch wirklich?

Im Rahmen von Reformen im Bereich der Pflegegesetze ist es stets entscheidend für die Politiker aller Parteien, eine Abwägung zu treffen, unter welchen Bedingungen ein Mensch in unserer Gesellschaft ein angenehmes Leben führen kann.

Materielle Bedürfnisse stehen hierbei selbstredend im Vordergrund, doch auch auf emotionaler Ebene muss es ausreichend Kapazitäten im Leben eins Pflegebedürftigen geben. Wer keinerlei Zuneigung verspürt, wird schnell behaupten, keinerlei oder zumindest nur wenig Freude am alltäglichen Leben zu haben. In Folge dessen wird auch der Gesundheitszustand darunter leiden, was statistisch belegt werden kann. Fernab jeglicher gesetzlicher Konventionen wollen wir nun einmal überlegen, was ein Mensch im Leben tatsächlich an Hilfe benötigen könnte.

Betrachtet man einmal genauer den durchschnittlichen Alltag eines gesunden Menschen, fängt der Pflegebedarf bereits mit dem Aufstehen an. Nicht jeder kann sich eigenständig aus dem Bett hieven, Bedürftige benötigen hier häufig schon das erste Mal Hilfe. Weiter geht es mit der Körperhygiene, dem Waschen des Körpers. Auch hier gilt: nicht jeder kann das problemlos eigenständig tun, viele sind auf Hilfe durch Pflegekräfte, Verwandte oder nahe Bekannte angewiesen.

Ebenfalls erwähnenswert ist der Treppengang. Wer in einem mehrstöckigen Haus lebt, muss regelmäßig Treppen überwinden. Gelingt das nicht, ist man in seiner persönlichen Mobilität stark eingeschränkt. Hilfreich kann hierbei ein Treppenlift sein, deren Erwer bei Vorliegen einer gesetzlichen Pflegestufe finanziell bezuschusst wird.

Erreicht man nach dem Aufstehen den Kühlschrank, um sich eine Mahlzeit zu bereiten, muss dieser zunächst einmal gefüllt sein. Doch wie gelangt man an Lebensmittel, wenn der nächste Supermarkt fern ist, außerhalb der Stadtgrenze liegt? Sich in ein Auto zu setzen erscheint für eine Großzahl der Pflegebedürftigen wenig reizvoll, selbst Bushaltestellen sind nicht in jeder Region zu Genüge vorhanden. Hinsichtlich der Mobilität benötigt man in einer globalisierten und vermeintlich optimierten Welt also genügend Optionen, um ein angenehmes Leben führen zu können.

Im nächsten Gedankenschritt erfolgt die Zubereitung und das Verzehren von Mahlzeiten. Dreimal täglich benötigen wir etwas zu essen, dabei ist ein warmes Essen ein Genuss für jedermann. Hierfür muss also ebenfalls Zeit und Kraft zur Verfügung stehen. Eine gesunde Ernährung ist für kranke Menschen das A und O, um regenerien zu können.

Später dann ist es vor allem wichtig, für Unterhaltung im Leben der pflegebedürftigen Person zu sorgen. Man stelle sich nur eine triste Welt vor, in der Senioren tagelang alleine im eigenen Haus verweilen, bis sie Besuch bekommen. Leider ist das in deutschen Haushalten Realität, Verwandten und Freunden fehlt in der Arbeitswelt schlichtweg die Zeit, sich zusätzlich um die Bedürfnisse der pflegebedürftigen Person zu kümmern. Gerade die emotionale Bindung ist aber von entscheidender Bedeutung, um Zugehörigkeit zu signalisieren.

All das sind nur einige der zu beachtenden Aspekte. Auf finanzielle Gegebenheiten wurde im Rahmen dieses Artikels verzichtet, diese müssen von Politikern ebenfalls beleuchtet werden und tragen wirksam zur Lebensqualität bei.

Geschrieben von

Patrick Gehlert ist freier Redakteur und schreibt für Fachmagazine unter anderem Beiträge zu dem Thema Pflege.