Pflegerische Diagnostik

Hier und da vernimmt man als Otto-Normal-Bürger den Begriff der Pflegestufen, welcher klassifiziert, wie schwer der Pflegebedarf bei einer pflegebedürftigen Person in etwa ist. Vier Pflegestufen zeigen grob auf, welche Patienten besonders eingeschränkt in ihrem Alltag sind und welche fast ohne Hilfe durch eine zweite Person ihren Alltag bewältigen können. Die Pflegestufeneinstufung erfolgt durch einen Mediziner. Doch welche Formen der Pflegediagnose, also der Einschätzung durch das Pflegepersonal, gibt es eigentlich? Und unterscheidet sich die Pflegediagnose von der durch Mediziner getroffenen Diagnose?

Als Pflegediagnose bezeichnet man die Feststellung bekannter Muster bei Patienten, die sich in Pflegebehandlung befinden. Anhand internationaler und nationaler Kriterien wird festgestellt, ob eine körperlich oder geistig eingeschränkte Person bekannten Mustern entspricht und damit bereits therapeutische Lösungen für sie vorhanden sind. Die Pflegediagnose grenzt sich damit klar von der ärztlichen Diagnose ab. Typische Pflegephänomene werden auf diesem Wege schnell erkannt, benannt und können im Folgenden unmittelbar behandelt werden. Folglich dient die Pflegediagnose praktisch als Rechtfertigung für die durchgeführten Leistungen am Patienten.

Zugleich wird damit der Pflegebedarf bestimmt, der für den bestimmten Patienten bzw. die bestimmte Patientin durch den Pflegedienst zu erbringen ist. Im Weiteren können die Pflegedienste anhand des anfallenden Arbeitsaufwandes genauere finanzielle Abrechnungen anfertigen, die explizit alle ausgeführten Tätgikeiten aufführen. Das Abrechnungssystem fußt dann auf der eigentlichen pflegerischen Arbeit und nicht mehr auf dem Aufwand, den die ärztliche Diagnose zunächst angenommen hat. Studien zufolge soll die Einführung pflegerischer Diagnostik die Effizienz des Pflegesystems erheblich verbessert haben. Damit steigert also pflegerische Diagnostik die Qualität der Pflege, weswegen sich rund um das Thema im vergangenen Jahrhundert eine eigene Wissenschaft gebildet hat.

Heutzutage unterteilt man die Pflegediagnose wissenschaftlich in fünf Stufen. Die Einschätzung steht am Beginn der Kette, auf sie folgen die Pflegediagnose sowie die Auswertung der Diagnose und die spätere Planung und Umsetzung der daraus gezogenen Schlüsse. Wichtig ist, dass die Pflegediagnose glaubwürdig (also signifikant genug) ist, damit keine falschen Pflegemaßnahmen am Patienten durchgeführt werden. Da in der Pflegediagnose auch Prognosen über den Gesundheitszustand gebildet werden, müssen alle Einschätzungen rechtfertigbar und glaubwürdig sein.

Geschrieben von

Patrick Gehlert ist freier Redakteur und schreibt für Fachmagazine unter anderem Beiträge zu dem Thema Pflege.

Noch keine Kommentare.

Ein Kommentar schreiben

Nachricht


eight + = 9