Wie sicher sind Pflegestätten wirklich?

Ende November 2012 erschütterte die deutsche Gesellschaft das Feuer in einer sogenannten Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt. Das tragische Ereignis ruft die Frage auf den Plan, wie sicher unsere Pflegestätten generell sind. Können wir uns sicher sein, dass sich um die uns Nahestehenden ausreichend im Notfall gekümmert wird, während sie in der Obhut eines gemeinnützigen Vereins sind, der eine behindertengerechte Stätte zur Verfügung stellt? Die noch nicht endgültig bestätigte Zahl von 14 Toten beim Brand in Titisee-Neustadt weckt in jedem Fall Bedenken, die es durch eine transparente Politik auszumergeln gilt.

Zwar handelt es sich bei Behindertenwerkstätten allgemein um zentral geplante und organisierte Einrichtungen von gemeinnützigen Verbänden, in denen Menschen mit körperlicher wie geistiger Einschränkung ein normales und gewöhnliches Leben in der Arbeitswelt führen können und sollen, doch sind die Einrichtungen in vielen Facetten grundsätzlich ähnlich zu allgemeinen Pflegestätten, weswegen sich eine nähere Betrachtung der Thematik im Zusammenhang mit der Pflegepolitik lohnt.

So wird während des Baus einer Pflegestätte vor allem auf eine behindertengerechte Gestaltung der Räume geachtet, um im Bedarfsfall für eine rasche Evakuierung sorgen zu können. Besonders Wohnstätten, die hauptsächlich von Rollstuhlfahrern bewohnt werden, müssen entsprechenden Kriterien genügen, sodass auch im Notfall Rollstuhlfahrer innerhalb weniger Minuten der Gefahr entkommen können.

Die im Zusammenhang mit dem Brand in Titisee-Neustadt häufig erwähnten Rampen gehören ebenso wie Aufzüge zum gesetzlichen Standard in altersgerechten Pflegestätten. Aufzüge dürfen nämlich im Brandfall nicht mehr benutzt werden, da eine erhöhte Gefahr für ein Durchschmoren der Kabel und einen Einsturz des Schachtes besteht. Dementsprechend bestehen erhebliche Sicherheitsrisiken, die es baubehördlich zu vermeiden gilt. Im Zweifel sollte immer genügend Pflegepersonal zur Verfügung stehen, um alle sich in der Einrichtung befindenden Menschen innerhalb kürzester Zeit in Sicherheit bringen zu können. Dafür ist es wichtig, auch Außenstehenden den Zugang zu den Stätten zu ermöglichen.

Kein Raum darf nach Bundesegesetz an einen Flur anschließen, der einen Treppengang notwendig macht. Falls doch, muss es genügend Alternativmöglichkeiten wie eben Rampen geben. Dort lag im tragischen Fall von Titisee-Neustadt wohl eines der Kernprobleme, das Menschenleben gekostet hat.

Weiterhin besitzen selbst bettlägerige Menschen einen gesetzlichen Anspruch auf einen Ausbau, der es ermöglicht, dass sie notfalls im Bett aus der Stätte hinaus transportiert werden können. Alle Türrahmen müssen daher breit genug sein, um ein Bett hindurch fahren zu können. All das steht seit vielen Jahren in der “Verordnung über bauliche Mindestanforderungen für Altenheime, Altenwohnheime und Pflegeheime für Volljährige” geschrieben und zeigt, dass ein solcher Fall wie der in Titisee-Neustadt einen traurigen Extremfall darstellt, der in dieser Form nie hätte vorkommen sollen. Das Höchstmaß an Sicherheitsmaßnahmen ist in dieser Hinsicht bereits geschaffen und sollte Angehörige von Bewohnern in Pflegeheimen beruhigen. Ein solcher Fall sollte sich hoffentlich nie wiederholen.

Geschrieben von

Patrick Gehlert ist freier Redakteur und schreibt für Fachmagazine unter anderem Beiträge zu dem Thema Pflege.

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