Umgang mit aggressivem Verhalten

Bis zur Abschaffung der Wehrpflicht für männliche Jugendliche durch den Bundesverteidigungsminister a.D. Karl-Theodor zu Guttenberg leisteten Jahr für Jahr riesige Scharen an Jugendlichen ihren Zivildienst in einem Alten- oder Pflegeheim ab. Heute sind es die sogenannten Bufdis, die Mitarbeiter des Bundesfreiwilligendienstes, die wichtige Arbeiten im Pflegebereich übernehmen. Doch noch immer sind viele Stellen unbesetzt. Woran das liegt, ist strittig, doch viele potenzielle Freiwillige werden vom in der Öffentlichkeit immer wieder thematisierten Gewaltpotential im Pflegesektor abgeschreckt.

Zumindest sind in der Öffentlichkeit immer wieder Fälle bekannt geworden, in denen Patienten ihre Pfleger – bewusst oder unbewusst – angegriffen haben, seelisch wie körperlich. Aufgrund dessen nimmt heutzutage bei der Pflegeausbildung der Umgang mit aggressivem Verhalten der Patienten eine zentrale Rolle ein. Gewaltprävention ist dabei ebenso wichtig wie das Verhalten im tatsächlichen Ernstfall.

Über das sogenannte Aggressionsmanagement wurden in der Vergangenheit schon viele Arbeiten verfasst und auch in diesen Tagen beschäftigen sich viele Forscher mit der Frage, wie man schnelle Konfliktlösung betreiben kann. Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Aggression und Gewalt, die gute Pflegekräfte beherrschen sollten. Aggressives Verhalten resultiert meist aus inneren Prozessen, sodass diese spätestens im Nachhinein analysiert werden müssen, um zukünftige Aggression präventiv zu verhindern. Auch das Thema der Provokation nimmt eine bedeutende Rolle ein, denn viele Patienten möchten das Pflegepersonal lediglich provozieren, um aus der Monotonie ihres Pflegealltags auszubrechen.

Mit Patienten sollte man jedoch immer offen umgehen, um schnell aggressive Tendenzen zu erkennen und diese anzusprechen. Dabei ist es auch wichtig, den Patienten immer über neue diagnostische Erkenntnisse zu informieren, die seinen Zustand betreffen. Spürt er einen Ausschluss von den Informationen, kann das seinen Gemütszustand spürbar verschlechtern und damit für Aggressionspotenzial sorgen. Bewusst sollte sich das Pflegepersonal niemals gegen den Willen des Patienten stellen, gleichsam sollte es darauf achten, externe Gefahrenquellen zu identifizieren. Besucht beispielsweise ein Gast andauernd den Patienten und verschlechtert sich dadurch der Gemütszustand des Patienten spürbar, sollte man auch das offen vor dem Patienten ansprechen und eine eventuelle Verweigerung des Besuches in Betracht ziehen.

Zuletzt zählt vor allem eines: Besonnenheit und Ruhe verhelfen in jedem Konflikt zu einer pragmatischen Lösungsfindung und sollten daher vom Pflegepersonal möglichst immer an den Tag gelegt werden.

Geschrieben von

Patrick Gehlert ist freier Redakteur und schreibt für Fachmagazine unter anderem Beiträge zu dem Thema Pflege.

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