Ernährung als entscheidende Pflegekomponente

Bekanntermaßen geht Liebe durch den Magen. Ein herzhaftes Essen sorgt für ein anhaltendes Wohlgefühl und zugleich dafür, dass der Körper mit lebenswichtigen Nährstoffen versorgt wird. Neuesten Studien zufolge wird im Rahmen der Pflege allerdings nicht genügend auf Zusamensetzung und Qualität des Essens geachtet. Das kann Folgen für die Pflegeperson haben.

In erster Linie kritisieren Ernährungsforscher im Anfang 2013 veröffentlichten 12. Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, dass zumeist zu wenige Vitamine in Form von Obst oder Gemüse gereicht würden. Stattdessen gebe es viel zu viel Fleisch auf den Tellern der untersuchten pflegebedürftigen Personen.

Grundlage für die Studie war eine Stichprobe von 353 Seniorinnen und Senioren, die sich dazu bereit erklärten, dauerhaft Auskunft über ihr Wohlbefinden und ihre Ernährung zu geben. Dabei nahm jede der befragten Personen im betroffenen Zeitraum durchschnittlich 7 Tabletten am Tag zu sich. Man kann sich also ausmalen, wie wichtig es deswegen ist, dass die Ernährungsgrundlage bei den betreffenden Personen ausreichend ist, um einen kräftezehrenden Tag überdauern zu können.

Gleichzeitig stellten die Forscher bei den untersuchten Personen starkes Übergewicht fest. Ein Body Mass Index von über 30 war im Rahmen der Studie keine Unüblichkeit. Das allerdings sehen die Ernährungsforscher unkritisch. Vielmehr sei es unüblich, dass ältere Menschen im hohen Alter noch an Gewicht verlieren, da dies oftmals unmittelbar mit Muskelschwund gleichzusetzen wäre.

Zwar liefert Fleisch unter anderem auch Eiweiß und Spurenelemente, dennoch sehen die Forscher akuten Handlungsbedarf, was den Abwechslungsreichtum hinsichtlich der Ernährung angeht. Vitamin D und Kalzium halten sie bei Senioren für besonders relevant. Ersteres, weil es aufgrund mangelnder Bewegung der Pflegebedürftigen häufig fehle, und letzteres, weil es für den Knochenaufbau wichtig ist. Beides lässt sich allerdings nur über den Verzehr von Obst und Gemüse aufnehmen.

Eine Notiz wert ist die Tatsache, dass selbst ambulante Dienste wie beispielsweise “Essen auf Rädern” häufig auf Gemüse verzichteten. Das allerdings kann auch auf die Nachfragebedürfnisse deutscher Bürger zurückzuführen sein, denn der Fleischkonsum in Deutschland ist im internationalen Vergleich immens hoch. 1,1 Kilogramm Fleisch- und Wurstware würden jede Woche von jedem Deutschen vertilgt, damit liegen die Deutschen in dieser Hinsicht in der Spitzenriege.

Bei aller Kritik an der Ernährung betonen die Ernährungsforscher in ihrem Bericht allerdings auch die Tatsache, dass Senioren scheinbar ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen würden, was den Stoffwechsel sowie die Verdauung anregt.

Damit es also nicht zu unerwarteter Muskel- und Kreislaufschwäche kommt, ist es ratsam, dass Senioren künftig wieder etwas mehr Obst und Gemüse zu sich nehmen. Auf Fleisch muss dabei nicht komplett verzichtet werden.

Geschrieben von

Patrick Gehlert ist freier Redakteur und schreibt für Fachmagazine unter anderem Beiträge zu dem Thema Pflege.

Noch keine Kommentare.

Ein Kommentar schreiben

Nachricht


2 − one =