Pflege im Ausland – zahlt die Pflegeversicherung?

Aufgrund der horrenden Kosten, die im deutschen Pflegesektor derzeit zu zahlen sind, suchen viele gesetzlich versicherte Patienten ihr Glück im Ausland, denn auch dort gibt es zumeist gut ausgebildetes Pflegepersonal, das allerdings für einen deutlich geringeren Lohn die anfallenden Pflegearbeiten übernimmt. Doch zahlt die Pflegeversicherung des deutschen Staates weiterhin die Beiträge an den Versicherten aus, auch wenn das Kapital durch die Hände des Versicherten auf diesem Wege ins Ausland abfließt? Lohnt sich die Flucht ins Ausland für die Versicherten in Folge dessen überhaupt aus finanzieller Sicht?

Für viele ist das Ausland eine gern ergriffene Notlösung. Der Umzug ins Ausland soll helfen, Kostenfallen im Inland zu umgehen, um somit das eigene Vermögen zu sichern. Besonders in Osteuropa suchen zahlreiche Seniorinnen und Senioren aus Deutschland ihr Glück.

Grundsätzlich gilt in Deutschland der Anspruch auf “Hilfe zur Pflege”, den man beim örtlichen Sozialamt stellt. Doch zahlen die Ämter ungern, sofern auf dem Familienkonto großes Vermögen vorhanden ist. Im Zweifel wird häufig sogar die ganze Familie in die Verantwortung gezogen, um für die Pflegekosten aufzukommen. Ein Grundbeitrag steht hingegen jeder pflegebedürftigen Person zur Verfügung. Die Höhe der Bezuschussung ist vom Maß der körperlichen oder seelischen Beeinträchtigung abhängig. Nach den sogenannten Pflegestufen gestaffelt werden Beiträge ausbezahlt, in regelmäßigem Turnus erfolgen durch den Gesetzgeber Beitragsanpassungen. Häufig muss dennoch die Familie für den Großteil der Kosten aufkommen, weswegen der Umzug ins Ausland für viele als rentabel erscheint. Dennoch gibt es eine Menge zu beachtender Risiken.

Sachleistungen für die Pflege im Ausland etwa werden von den deutschen Pflegekassen nicht übernommen. Entscheidet sich der Versicherte für den Gang ins Ausland, erhält er lediglich das gesetzlich festgeschriebene Pflegegeld. Entscheidend ist hierbei, dass das ausgewählte Land im EU-Raum liegt, andernfalls wird selbst dieser Beitrag nicht ausgezahlt.

Viel entscheidender ist aber die Tatsache, dass die Pflegebedingungen in kaum einem Land weltweit so gut sind wie in der Bundesrepublik Deutschland. Die Anforderungen an das Pflegepersonal sind vielerorts erheblich geringer, Gesetze nicht so ausgeklügelt wie hierzulande.

Im EU-Raum wurden Vereinbarungen getroffen, die festlegen, dass Versicherte in ihrem Wohnsitzland uneingeschränkten Anspruch auf Hilfsleistungen im Krankheitsfall besitzen. Darunter fallen vor allem materielle Güter wie beispielsweise Medikamente. Fernab der EU-Grenzen besteht dieser Anspruch allerdings nicht.

Bei allen undurchsichtigen Gesetzen zur Pflege müssen sich Versicherte auf keinen Fall Sorgen um ihre Rentenzahlungen machen. Der deutsche Fiskus zahlt Renten in aller Herren Länder aus, der gesetzliche Anspruch bleibt weiterhin bestehen.

Deswegen kann der Gang ins Ausland für deutsche Versicherte finanziell gesehen rentabel sein, doch bringt er viele Opfer mit sich. Zum einen beherrschen die Pfleger im Ausland häufig nicht die deutsche Sprache, zum anderen entspricht die Ausbildung der ausländischen Pflegekräfte nicht der im Inland erwarteten Anforderungen an das Pflegepersonal, sodass die Pflegeleistungen mitunter geringer ausfallen können.

Geschrieben von

Patrick Gehlert ist freier Redakteur und schreibt für Fachmagazine unter anderem Beiträge zu dem Thema Pflege.

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