Pflegenotstand – nicht nur in Deutschland

Krankenpflege ist ein anerkannter und gesellschaftlich angesehener Beruf – machen will diese Arbeit jedoch kaum einer. Gründe dafür können die vergleichsweise körperlich und psychisch Anstrengungen, aber auch die im europäischen Vergleich schlechte Bezahlung sein.

Aufgrund der alternden Bevölkerung, werden Gesundheitssysteme und alle Arten von Betreuungseinrichtungen für ältere Menschen vor große Herausforderungen gestellt, da zunehmend qualifizierte Pflegekräfte benötigt werden. Doch schon jetzt zeichnen sich deutlich fehlende Personalressourcen für die stationäre und häusliche Pflege ab. Laut WHO verfügt Finnland im europäischen Vergleich mit 21,7 Pflegepersonen pro 1.000 Einwohner über die höchste Anzahl von qualifiziertem Pflegepersonal, gefolgt von Norwegen mit 20,7, Dänemark mit 13,5 und Deutschland mit 9,5 Pflegepersonen pro 1.000 Einwohner. Österreich bildet das europäische Schlusslicht mit gerade einmal 5,8 Pflegepersonen pro 1.000 Einwohner.

Die Zahlen zeigen deutlich: Der Pflegenotstand ist ein europaweites Problem, wobei Österreich momentan am stärksten davon betroffen ist. Laut einer Studie der Vereinigung der Pflegedirektoren Österreichs fehlen dem österreichischem Gesundheitssystem derzeit 7.000 diplomierte Pfleger und Pflegerinnen, eine Zahl, die angesichts der zunehmend Pflegebedürftigkeit alarmierend ist.

Quelle: STATISTIK AUSTRIA, Bundesanstalt Statistik Österreich

Motivation für den Pflegeberuf

Die Pflegeberufe gelten allgemein als wichtig, verantwortungsvoll, unentbehrlich und zukunftssicher, leider werden aber viele von der anstrengenden und beanspruchenden Arbeit in der Pflegebranche abgeschreckt. Daher ist es wichtig, das Interesse an Pflegeberufen vor Allem bei jüngeren Menschen zu verstärken und die Motivation für diesen Beruf langfristig aufrecht zu erhalten. Ein erster wichtiger Schritt, um die nötige Anzahl geeigneter Bewerber für den Pflegeberuf zu gewinnen, ist es, die Gesundheits- und Krankenpflege als positive Marke zu etablieren und dem Beruf ein positives Image zu verleihen (Karl Schwaiger, Vorsitzender der Vereinigung der Pflegedirektoren Österreichs). Darüber hinaus ist es nötig, die Bedeutung der Pflegeberufe auch in Zukunft stärker zu vermitteln.

Auswirkungen für Betroffene

Der Pflegenotstand und die daraus resultierenden fehlenden Betreuungsmöglichkeiten für Betroffene haben in vielen Familien dazu geführt, dass sich Angehörige selbst um die pflegebedürftigen Personen gekümmert haben. Doch wenn die Betreuung mehr und mehr Zeit in Anspruch nimmt, kann die Pflege durch die Angehörigen oftmals aufgrund anderer Verpflichtungen nicht mehr ausreichend gewährleistet werden. Der dadurch entstehende Zwiespalt zwischen eigenem Privatleben und dem Wunsch nach der optimalen Betreuung des Angehörigen wird für viele Menschen zu einer seelischen Zerreisprobe, die nicht selten in Depressionen, zerrütteten Partnerschaften und sogar Burnout endet. Darüber hinaus wird die Pflege zu Hause bei weitem nicht ausreichend finanziell unterstützt. Das führte in Vergangenheit immer häufiger dazu, dass pflegende Angehörige aus Mangel an finanziellen Möglichkeiten, die Hilfe ausländischer Pflegekräfte in Anspruch nahmen und sich aufgrund der Nichteinhaltung rechtlicher Rahmenbestimmungen oder Unwissenheit strafbar machten.

Ausländische Pflegekräfte – Chancen für die Gesundheitssysteme

Aufgrund der akuten Personalknappheit vor Allem in Österreich, erfreut sich die Betreuung durch ausländische Pflegekräfte zunehmender Beliebtheit. Besondern die Möglichkeit einer 24 Stunden Pflege eröffnet vielen Betroffenen die Möglichkeit, auch im Alter nicht auf die Vertrautheit der eigenen vier Wände verzichten zu müssen.

Doch bei der Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte ist besonders auf die Einhaltung aller gesetzlichen Vorgaben zu achten.

Grundsätzlich gilt das Recht der Arbeitnehmerfreizügigkeit, bei dem jeder Arbeitnehmer innerhalb der EU in jedem Land legal arbeiten darf. Jeder kann also legal eine polnische Pflegekraft anstellen. Dabei werden die Pflegebedürftigen oder deren Angehörige jedoch zum Arbeitgeber und müssen demnach Kranken- und Sozialversicherung zahlen, krankheitsbedingte Ausfälle hinnehmen und Urlaub gewähren.

Arbeitet die Pflegekraft auf selbstständiger Basis, gilt der Grundsatz der Niederlassungsfreiheit, bei dem sich jeder Unternehmer innerhalb der EU überall mit seinem Geschäft niederlassen darf. Allerdings gibt es bereits Gerichtsentscheidungen, die besagen, dass eine 24 Stunden Pflege niemals selbstständig sein kann, da sie in der Regel nur einen Auftraggeber dafür haben kann. In solchen Fällen spricht man von Scheinselbstständigkeit.

Bei der sogenannten Entsendung darf auf Grundlage des Prinzips der Dienstleistungsfreiheit jeder Unternehmer seine Dienstleistung überall in der EU anbieten und dafür Mitarbeiter entsenden. Dabei besteht ein Beschäftigungsverhältnis zwischen Pflegekraft und ausländischem Unternehmen. Familien in Deutschland, die die Pflegekraft in Anspruch nehmen, gelten als Kunde und Empfänger der Dienstleistung und nicht als Arbeitgeber, sie müssen demnach keine Kranken- und Sozialversicherung zahlen. Allerdings sollte bei diesem Modell unbedingt auf die erforderlichen Bescheinigungen (A1-Bescheinigung) geachtet werden, denn nur so kann sichergestellt werden, dass es sich um seriöse Unternehmen bzw. Vermittlungen von Pflegekräften handelt.

Mittlerweile haben sich viele Dienstleister, wie beispielsweise SunaCare unter Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen auf die Vermittlung von qualifizierten ausländischen Pflegepersonal spezialisiert und erfolgreich etabliert – Ein Indiz dafür, dass herkömmliche Pflegemodelle längst an ihre Grenzen stoßen.

Fazit

Die Zahlen zeigen: In der Pflegebranche besteht europaweit, vor allem in Österreich, akuter Handlungsbedarf. Die sich häufenden Strafanzeigen wegen illegal beschäftigter Pflegekräfte aus dem Ausland haben eine längst überfällige Diskussion über den Pflegebereich in Österreich ausgelöst. Nicht nur die Motivation für die Pflegebranche im eigenen Land ist für die Erhöhung an geeigneten Pflegekräften unumgänglich, sondern auch die gezielte Erweiterung an alternativen Pflegeangeboten. Ausländische Pflegekräfte können zur Lösung des Personalnotstands beitragen, sollten jedoch nur unter Einhaltung aller gesetzlichen Voraussetzungen beschäftigt werden.

Geschrieben von

Patrick Gehlert ist freier Redakteur und schreibt für Fachmagazine unter anderem Beiträge zu dem Thema Pflege.

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