Vosorglich Vormundschaft klären

Zahlreiche Pflegefälle in Deutschland resultieren aus plötzlich eintretenden Schicksalsschlägen. Kaum eine zu pflegende Person ahnte im Vorhinein von ihrem Unheil, das durch einen Unfall, bloße Unachtsamkeit oder ähnliches eingetreten ist. Nicht wenige von ihnen können sich zumindest zeitweise nach dem Schicksalsschlag nicht eigenständig artikulieren und werden deshalb von einem Vormund vertreten. Wer für diesen Moment nicht vorgesorgt hat, erlebt dann allerdings schnell ein böses Erwachen. Gibt es keinen Vormund, übernehmen Ärzte in solch akuten Fällen wichtige medizinische Entscheidungen. Das klingt zunächst hoffnungsvoll, doch bringt es auch einige Nachteile mit sich.

Sofern dieser Fall eintritt, wird die zu pflegende Person beispielsweise häufig nicht vollständig nach ihrem Willen vertreten. Ein großer Teil der deutschen Bevölkerung möchte etwa während des eigenen Lebens niemals an ein klinisches Gerät angeschlossen werden, welches als Ersatz des Herzens dient und den Blutkreislauf aufrechterhält. Selbst auf künstliche Beatmung möchten viele verzichten, stattdessen nehmen sie lieber den natürlichen Tod in Kauf. Hier entbrannt in Folge dessen eine moralische Debatte, denn in unseren Kulturkreisen gilt weitestgehend die Macht des freien Willens. Wer also nicht mehr weiterleben möchte, soll dies moralisch nachvollziehbar auch dürfen. In Folge dessen erleiden viele Pflegefälle Depressionen, da sie nach erfolgtem Noteingriff körperliche Leiden davontragen und von diesem Moment an mit schwerwiegenden körperlichen wie auch psychischen Behinderungen zu leben haben, obgleich sie sich im Vorfeld gegen ein Leben mit Behinderung ausgesprochen hätten.

Trotz allem kann durch die Entscheidung eines Arztes womöglich ein Leben gerettet werden, weshalb die Entscheidung für die Rettung absolut nachvollziehbar und moralisch vertretbar ist. Obenstehende Aussagen sollen also illustrieren, wie es im Ernstfall problematisch werden kann.

Wer sich sicher sein möchte, dass im Ernstfall voll und ganz nach dem eigenen Willen gehandelt wird, sollte eine Vormundschaft regeln. Dafür bescheinigt man notariell einem Menschen, dass diesem im Falle des kognitiven Verlustes die Entscheidungsmacht übertragen wird. Viele Menschen wählen für die Vormundschaft ein Familienmitglied aus, die Kinder oder die Eltern. Der Aufwand hierfür ist gering, der daraus resultierende persönliche Nutzen allerdings enorm. Wer bis dato also keinerlei Vormundschaftsregelung niedergeschrieben oder sich bislang keinerlei Gedanken zu dieser schwierigen Thematik gemacht hat, wird von nun an dazu angeregt sein, die Initiative zu ergreifen, um selbstständig über seinen eigenen Werdegang entscheiden zu können.

Geschrieben von

Patrick Gehlert ist freier Redakteur und schreibt für Fachmagazine unter anderem Beiträge zu dem Thema Pflege.

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